„Das Unterirdische oberirdisch sichtbar machen“
Erdstallzentrum Tollet eröffnet: Grenzüberschreitendes Kulturerbe wird sichtbar und erlebbar
Mit der feierlichen Eröffnung des mit modernster Technik ausgestatteten Erdstallzentrums in Unterstetten setzt ein grenzüberschreitendes INTERREG-Projekt ein starkes Zeichen für den Schutz und die Vermittlung eines außergewöhnlichen gemeinsamen Kulturerbes im oberösterreichisch-bayerischen Grenzraum. Das Projekt wird vom Oö. Erdstallzentrum Tollet Unterstetten und dem Arbeitskreis für Erdstallforschung umgesetzt und verfolgt das Ziel, die faszinierende Welt der mittelalterlichen Erdställe einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Erdställe sind geheimnisvolle, von Menschenhand geschaffene unterirdische Gangsysteme aus dem Mittelalter. Ein besonderer Verbreitungsschwerpunkt dieser Bodendenkmäler liegt in Oberösterreich und Niederbayern. Damit verbindet die Region ein außergewöhnliches grenzüberschreitendes Kulturgut, dessen Erforschung, Schutz und Vermittlung nur gemeinsam gelingen kann.
Unter dem Leitgedanken „Das Unterirdische oberirdisch sichtbar machen“ möchte das INTERREG Projekt eine bislang für die meisten Menschen unsichtbare Sehenswürdigkeit erlebbar machen. Da Erdställe aufgrund ihrer engen Schlupfe und empfindlichen Bausubstanz nur von Fachleuten befahren werden können, bleiben sie für die meisten Menschen unsichtbar. Genau hier setzt das Projekt an: es beherbergt an einem eigens dafür ausgestatteten Ausstellungsraum modernste Technik und Originalexponate, die die bislang verborgene Sehenswürdigkeit für die Öffentlichkeit zugänglich macht, ohne die historischen Anlagen selbst zu beeinträchtigen.
Herzstück der Ausstellung sind modernste 3D-Animationen des Erdstalls Unterstetten aus einem Forschungsprojekt der FH OÖ, die Besucherinnen und Besuchern eine virtuelle Befahrung ermöglichen, sowie eine interaktive Verbreitungskarte, in der erstmals alle bekannten Erdställe in Oberösterreich und Niederbayern gemeinsam dargestellt werden. Diese schafft einen neuen Zugang zu Informationen über die einzelnen Standorte und verdeutlicht eindrucksvoll die grenzüberschreitende Dimension des gemeinsamen Kulturerbes. Abgerundet wird die Ausstellung durch eindrucksvolle Fundstücke, Exponate und Leihgaben aus Oberösterreich und Bayern. Damit stehen erstmals Objekte und Informationen aus beiden Regionen gebündelt an einem Ort zur Verfügung und vermitteln die kulturellen Gemeinsamkeiten des Grenzraums anschaulich.
Die grenzüberschreitende Kooperation trägt damit wesentlich dazu bei, Wissen über die geheimnisvollen Anlagen zu verbreiten, ihren Schutz zu stärken und künftig weitere bislang unbekannte Erdställe zu dokumentieren. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Bewusstseinsbildung bei jungen Menschen. Das Erdstallzentrum soll künftig verstärkt von Schulen auf beiden Seiten der Grenze genutzt werden. Das Erdstallzentrum in Unterstetten wird so zu einem lebendigen Ort der Begegnung, der Forschung und der Vermittlung einer gemeinsamen Kulturgeschichte über Landesgrenzen hinweg.
Im Rahmen der Eröffnungsfeier des neu gestalteten Ausstellungsraums präsentierten die beiden Projektpartner die gemeinsamen Projektergebnisse sowie die interaktiven Vermittlungsangebote und Ausstellungsstücke. Dabei wurde deutlich, welchen Mehrwert die grenzüberschreitende Zusammenarbeit für Forschung, Denkmalpflege und Bewusstseinsbildung bietet.
Das grenzüberschreitende Projekt „Erdställe: das Unterirdische oberirdisch sichtbar machen“ wird kofinanziert aus Mitteln der Europäischen Union im Programm Interreg Bayern-Österreich 2021-2027.
Projektpartner des OÖ. Erdstallzentrums und des Arbeitskreises für Erdstallforschung mit Wissenschaftlern der FH OÖ©Kurt Niel
Ansprechpartner*in:
Jennifer Daferner
Bilder©Kurt Niel und RMOÖ







